Geht der angeschlagene Euro in seine letzte Phase?

Auf einige Wochen schien es ziemlich ruhig um den Euro. Doch plötzlich ballen sich Meldungen, die durchaus bedrohlich klingen. Vor allem, wenn wir den Zusammenhang herstellen. Griechenland ist in Wartestellung, Spanien braucht Geld, Zypern folgt als nächstes, Italien wehrt sich gegen Gerüchte und IWF-Chefin Lagarde nennt eine Zeitspanne von drei Monaten. Drei Monate, um eine Währungskrise zu bewältigen, die seit Jahren unlösbar erscheint? Und noch dazu, während neue Staaten auf Gelder aus dem Rettungsschirm hoffen? Könnte es vielleicht sein, dass uns diese beiläufigen Meldungen, die hinter den Schlagzeilen über die Fußball-EM verschwinden, äußerst vorsichtig auf eine nahende Katastrophe vorbereiten?

Gerade zu Beginn der Fußball-EM, wenige Tage nach dem Ende des letzten Bilderberger-Treffens, wurden spanische Banken von den Rating-Agenturen herabgestuft. Spanien braucht Geld aus dem Rettungsschirm. Nicht für den Staat, sondern für den Finanzsektor. Das Volk lauscht, stillschweigend, von allen Horrormeldungen über die Euroentwicklung bereits gelangweilt. Doch rasch wurde auch die Kreditwürdigkeit des Staates Spanien von Moodys gesenkt. Eine Lawine, die langsam ins Rollen kommt.

Griechenland, während der Vorbereitungen auf die nächsten Wahlen praktisch auf Eis gelegt, bleibt weiterhin eine Bürde. Die Zinsen für griechische Staatsanleihen sollen mittlerweile auf 28% geklettert sein. Griechenland war nicht einmal imstande, die Zinsen zu begleichen, solange sie noch niedriger waren. Wer wird in Zukunft bezahlen?

Übrigens, was nicht unbedingt an die große Glocke gehängt wird, ist, dass immer mehr Griechen, die über Erspartes verfügen, dieses beheben. Die Basler Zeitung berichtet von täglichen Abhebungen von 800 Millionen Euro. Für die gedruckten Banknoten haftet immerhin die Zentralbank. Für die Guthaben auf Konten aber bloß die Geschäftsbank, solange sie existiert. Doch solche Hinweise sollten sich nicht unbedingt verbreiten, sonst kommt am Ende gar noch den Deutschen der Unterschied zwischen Bargeld und Giralgeld in den Sinn.

Doch weiter zu den geballten Drohungen. Griechenland wird also weiterhin Geld benötigen, ganz egal wie die Wahl ausgeht. Spanien, ein Land, in dem die wirtschaftliche Situation seit Jahren katastrophal aussieht, könnte schon in naher Zukunft zu einem neuen „Fass ohne Boden“ werden.

Ziemlich harmlos erscheint dagegen die Meldung, dass auch Zypern Gelder aus dem Rettungsschirm benötigen könnte. Denn, so schreibt die Financial Times, in diesem Fall sollten vier Milliarden Euro, zumindest vorläufig, reichen.

Schleichend tritt auch Italien auf die Bühne. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter erlaubte sich in den Nachrichten die Bemerkung, dass auch Italien bald Unterstützung benötigen könnte. Der italienische Premierminister Mario Monti wies diese Behauptung entrüstet zurück. Doch dass Fekters Bemerkung nicht ganz unberechtigt war, zeigt u. a. ein Artikel bei der Frankfurter Rundschau, der auf eine Attacke gegen Italien durch Spekulanten, was sich natürlich negativ auf die Zinsentwicklung auswirkt, verweist.

Und genau zu dieser Zeit, wenn es scheint, als würden die in naher Zukunft benötigten Unterstützungen aus dem Rettungsschirm auf ein Vielfaches des bereits Geleisteten anschwellen, meldet sich Christine Lagarde zu Wort. Sie ruft die Europäer zur Eile. „Für die Rettung des Euros bleiben nach Auffassung der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, weniger als drei Monate.“, schrieb Welt-Online am 12. Juni.

Dass es gelingen könnte, das Europroblem so ganz plötzlich innerhalb der nächsten drei Monate in den Griff zu bekommen, ist mit absoluter Sicherheit auszuschließen. Es sei denn, es wird blitzartig eine grundlegende Währungsreform aus dem Hut gezaubert, die das gesamte Geldwesen in die öffentliche Hand nimmt – und somit den Finanzsektor entmachtet. Doch darauf zu hoffen, erfordert mehr als bloß Optimismus.

Vielmehr sieht es so aus, als würden dem Volk – so unauffällig wie möglich – geballte Warnungen vorgesetzt werden. So richtig gefährlich soll es natürlich wiederum nicht wirken, sonst könnten ja die Deutschen und die Franzosen und andere auf die Idee kommen, ihre Reserven noch rasch in Sicherheit zu bringen. Doch so beiläufig hört jeder davon. Unterstützung für Spanien, für Zypern, für Italien, hört etwas von drei Monaten – und wartet halt ab. Schreckliche Drohungen bezüglich eines restlosen Zusammenbruchs der Weltwährungen, der Weltwirtschaft, der Börsen, kursieren seit Jahren. Bis jetzt ist nichts passiert, wenn wir über unzählige Einzelschicksale hinwegsehen. Also geht es ohnehin irgendwie weiter. Die Politiker geben sich zuversichtlich. Die Medien sorgen für gute Stimmung. Und außerdem hat Deutschland die Holländer auf dem Fußballfeld 2 : 1 geschlagen. Wen interessiert da schon so eine lästige Krise? Es scheint, das Timing ist gut durchdacht.

Quelle: theintelligence.de vom 14.06.2012

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